Um mal aus meinem Nähkästchen zu paudern. Ich bekomme vom meinem Chef ein festes Gehalt, egal wieviel ich einfahre.
Allerdings muss ich ja zwangsläufig genug einfahren, damit er kein Minusgeschäft macht.
Das erste viertel bis halbe Jahr haben wir mehr oder minder probiert und auch Lehrgeld bezahlt. Siehe Unfall. Und dann kommt es natürlich auch darauf an, bei wem, bzw für wen du letztendlich ausfährst.
Er hat für Firma A geliefert. Für die sollte ich als "Entlaster" auch auf festen Touren ausfahren. Heißt, wenn die anderen zuviel Sendungen haben, bekomme ich davon welche und muss natürlich auch Zeiten einhalten, bis wann diese ausgeliefert sein müssen. Habe ich hier nicht genug, mache ich einen auf "Stadtfahrer".
Heißt, ich steh an einer Ecke, warte auf den Auftrag und bring schnell was von A nach B, warte, bringe was von C nach D, warte wieder, fahre nach B und bringe das wieder nach A. Der "typische" Radkurier halt. Aber das hat sich überhaupt nicht gelohnt. Da war ich 8 Stunden draußen, bin effektiv 5 Stunden gefahren, und unter Strich kanem für meinen Chef nur 30€ raus, wovon er ja mich inklusive aller nebenkosten bezahlen musste. Verstehst du dich mit dem Disponenten nicht, (oder schmierst ihn nich, hatte ich den Eindruck) bekommst du auch keine Touren.
Da brachte er mich dann bei Firma B unter. Auch hier war ich Anfangs nur Entlaster, wurde aber nach Stunde bezahlt. Bzw nicht ich, sondern mein Chef wurde bezahlt, da ich ja bei ihm angestellt bin. Von dem muss er nun meinen Lohn abziehen, plus seinen Anteil an den Sozialabgaben plus Rücklagen plus Monatskarte für die öffentlichen, plus etwas für schlechte Zeiten. Auch das Rad kostet ja. kaum ein Fahrrad ist dafür ausgelegt, über das Kopfsteinpflaster von Friedrichshain zu fahren. Und auch noch um die 2.000km im Monat.
Nun fahre ich eine feste Tour bei Firma B. Heißt zwar, ich warte noch immer auf das, was die anderen übrig lassen und entlaste aber hauptsächlich nur zwei Fahrer, aber nun werde ich nach Stops bezahlt.
hat den Vorteil dass ich meine gebiet und meine Kunden kenne. meine WC-Stopps planen kann, weis bei wem ich was abgeben kann, wenn der eigentliche Empfänger nicht da ist, und so weiter.
Ach so. Ich werde nach "Erfolgreichen Stopps" bezahlt. Laut der Matrix muss ich 35 Stopps am Tag haben. Heißt schon mal, ich muss 40 "Stopps" (Zustelladressen) mitnehmen. Nicht immer trifft man ja wen an. Besonders ärgerlich bei Identsendungen, was bei mir ca 25% der mitgenommenen Sendungen ausmacht. Telefonkarten hauptsächlich. Congstar, Mobilkom, Telekom, aber auch Technik von 1&1 und so.
Pro Stunde schaffe ich je nach Gebiet zwischen 6 und 10 Stopps. Dann wechsel ich aber das Gebiet und habe auch mal 30min Leerfahrt dazwischen. Am Ende lande ich so bei 6-7 Stopps die Stunde. 40 Stopps als ca 6 - 6,5h "effektive Arbeitszeit".
Nun kommt aber leider noch was anders hinzu.
Im März suchte ich mir im Ostteil Berlins außerhalb der Ringbahn eine Wohnung, weil ich direkt angrenzend innerhalb des Rings mein Liefergebiet hatte. (3 Stationen U-Bahn oder 15min Radweg)
Anfang April stellte Firma B nun die Tourenplanung um. Ich muss nun jeden Morgen in den HUB, der außerhalb des Westrings liegt. Heißt schon mal, über eine Stunde Fahrzeit. (3 Linien mit 6, 9, 6 Stationen und ca 20min radweg). Aber um 6:30 muss ich da sein.
Da dann mindestens 1 Stunde Beladetätigkeit, je nachdem wann die LKW's vom Flughafen kommen. Gibt Tage, da fahr ich um 7:15 vom Hof. Gibt aber auch Tage, da fahr ich erst um 08:00 vom Hof, hab aber Termine für 09:00 bei. Das sind knapp 20km Strecke direkt durch Mitte, oder eben 17 Stationen mit der Ringbahn, da derzeit sowohl am Südring als auch an der südlichen U-Bahn gebaut wird, plus knappe 10km mit dem Rad. Nun der erste Stopp, und eigentlich werde ich erst ab jetzt bezahlt.
Zum Feierabend, also wenn meine Stopps fertig sind, müsste ich eigentlich wieder in den HUB und abrechnen. Hier habe ich nun aber Hereinbarungen mit mehreren Fahrern, die mein Zeug aufnehmen und shutteln. Spart mir am Tag gut 2 Sunden. Diese Tourenfahrer müssen aber bis mindestens 16:30 im Gebiet sein, bevor sie in den HUB fahren dürfen. 6:30 Beginn, bis 16:30 im Gebiet, dazu die Abrechnung. Fahrt zur Arbeit, fahrt nach Hause, .... 12 Stunden sind da keine Seltenheit.
Da ich nun aber nach Stops bezahlt werde, liegt es mehr oder minder an mir, wie ich meinen Tag gestalte. Termine müssen gehalten werden, sonst gibt es Strafen. Aber wenn ich kaum Termine beihabe, fahre ich erst eine PLZ nach der anderen ab, damit ich nur 1x von rechts oben nach Mitte links muss. Habe ich viele Termine, fahre ich die Strecke 2x. Erst wegen der Termine, und dann nochmal mit den "zeitlosen" zurück. Da kann ich mir dann auch erlauben, bei einem Kunden ein zweites Mal zu stoppen, um zu versuchen die Sendung die ich morgens nicht zustellen konnte, nun nochmal loszuwerden. Aber wenn ich keine Sendungen in dem Gebiet mehr habe, dann fahre ich wegen einer Sendung, wo ich nicht weis, ob der Empfänger nun zu Hause ist, definitiv nich wieder 10km leer durch die Gegend. (Immerhin hatte ich diese schon den ganzen tag im Rucksack.)
Denn wie erwähnt werde ich nur für erfolgreiche Zustellungen bezahlt. So meldet sich der Kunde und macht eine Umverfügung. Beispielsweise ein bestimmtes Zeitfenster oder eine andere Adresse. Auf Arbeit zum Beispiel. Macht er eine andere Zeit aus, sehe ich die Sendung meist zwei bis drei tage später wieder. Ist aber der Kunde nun nicht da, bekomme ich auch die Leeranfahrt bezahlt.
Ich bin nun mit meinem Bekannten am überlegen, mich wie er selbstständig zu machen und in Eigenregie zu arbeiten. Dann auch nicht mehr mit einem simplen Fahrrad sondern mit einem Lastenrad.
http://www.lastenfahrrad.com/media/imag ... dsnit1.jpg
Vorn eine Alukiste rauf, die den Vorteil hat abschließbar zu sein, und schon kann ich mehr und auch größere Sendungen mitnehmen. Den ganzen Amazon-Scheiß beispielsweise. In meinen Rucksacke passen meist nur um die 20 Sendungen von denen. Nehme ich nämlich mehr Sendungen pro PLZ mit, wird ja auch mein gesammtes Gebiet kleiner und die Zeiten werden kürzer, da ich nicht mehr so weite Leerstrecken habe.
Am letzten Samstag musste ich nämlich wirklich alles zusammenkratzen was gab, um auf 36 Stopps zu kommen. Dabei habe ich in Berlin dann 15 PLZ angefahren. Trotzdem war ich nach 6 Stunden Fahrzeit fertig.
Allein meine Fahrt im Tourgebiet war 77km lang. Plus An- und Abfahrtsweg kam ich auf ungefähr 95km - nur Radstrecke. Dazu die Treppen, ....
Aber noch ca 2 Monate, dann fahre ich nur noch einen, maximal 2 Samstage im Monat. Und nächsten Montag hab ich frei, da das Rad in der Durchsicht ist. Ich feeu mich schon auf die drei Tage Ruhe. Wird wie ein Kurzurlaub in New Vegas oder auf der Citadell. Hab ich noch nicht gebucht. Entscheide ich dann spontan.
Vielleicht heirate ich auch Guinevere (King Arthur - RPG-WarGame).
Oder ich kram mal wieder Spellforce raus. jetzt, wo ich so drüber nachdenke.